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Lift 06 Berichte: Robert Scoble über Corporate Blogging
Der Stargast der Lift 06 war ohne Zweifel Robert Scoble. Scoble, der Blog-Pionier von Microsoft (Scobleizer, Channel 9), hielt seinen Vortrag über „Corporate Blogging“.
Zunächst ging Scoble darauf ein, was seine persönliche Motivation war, mit dem Bloggen anzufangen (das war bereits vor seinem Start bei Microsoft). Nach dem DotCom-Crash hätten er und seine Freunde ein Zeichen gegen die Intransparenz der gerade abgestürzten New Economy Unternehmen setzen wollen. Sie begannen zu bloggen, um ihre Sicht der Dinge den frisierten Press Releases der Unternehmen entgegen zu setzen.
Als Scoble bei Microsoft angestellt wurde, fragte er gar nicht erst, ob er über seine Arbeit bloggen dürfe. Er tat es einfach. Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte Scoble, wie Microsofts Reaktion war: Es wurde mehrfach versucht, ihn zu feuern und nur dank guter Kontakte in die Geschäftsführung überstand er die Attacken.
Was die Marketingleute erboste: Scoble zeigte alles ehrlich und ungeschminkt, z.B. auch abstürzende Windows PCs wenn er eine neue Software testete. Microsoft habe große Angst vor schlechter Mundpropaganda gehabt, die sich in der Blogosphäre wie „on speed“ ausbreiten könne. Aber Scoble überzeugte die Microsoft-Chefs, dass es besser sei, an der allgemeinen Konversation teilzunehmen (und sie positiv zu beeinflussen) als ihr nur zuzuschauen.
Scoble führte einige weitere gute Gründe an, warum es sich für Unternehmen lohnen kann, zu bloggen:
- Fachkompetenz demonstrieren: „Die Leute denken immer, dass sie für Ihr Wissen bezahlt werden, und wollen es deshalb nicht offenlegen. Aber die, die es tun, zeigen damit, was sie drauf haben und deshalb vertraut man ihnen.“
- Vertrauen erzeugen: Man sollte Kunden alles, was in der Firma vorgeht, erklären. „Wenn man sich den Kunden öffnet, helfen sie einem in Schwierigkeiten wieder raus.“ (“Your customers will help you out, if you invite them in.”)
- Positive Mundpropaganda fördern: Blogs helfen, Personen zu finden, die die Firma oder ihre Produkte mögen.
- Google liebt Blogs: 85% der Besucher der Microsoft-Blogs kommen direkt von Google. “If you don’t blog, you don’t exist.”
- Beziehungen und Kommunikation: Blogs sind für Scoble das beste Tool, um Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.
Das Bloggen von Firmen sollte sich in drei Stufen entwickeln:
- Anfangen
- Konversationen mit den Kunden aufnehmen
- Den Kunden zuhören und beweisen, dass man zugehört hat
Schließlich gab der Scobleizer, der nach eigenen Angaben täglich etwa 20.000 Leser hat, noch ein paar Erfolgstipps fürs Blogging:
- Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit: Hat man das Gefühl, dass Inhalte durch ein PR-Team zensiert werden, ist das Gift für den Blog. Ehrlichkeit ist die wichtigste Regel beim Bloggen!
- Man sollte Zeit dafür haben.
- Man kann nicht nur Aufsätze online stellen, sondern muss auch an der Konversation teilnehmen.
- Man muss schnell sein.
- Man muss „linky“ sein, also Links auf interessante Inhalte setzen
- Interessante Inhalte: Videos und Podcasts sind sehr beliebt und werden sehr oft verlinkt, da sie sehr glaubwürdig sind.
Auf die Frage hin, ob es auch Missbrauch beim Corporate Blogging geben könne, bekräftigte Scoble seinen Glauben an die Selbstreinigungskraft der Community. Es sei zwar möglich, dass ein gefälschter Blog für ein paar Tage bestehen könnte, aber die Community würde sich schnell austauschen und den betroffenen Blog einfach nicht verlinken.
Seine Erkenntnisse sind in dem neuen Buch Naked Conversations nachzulesen. Das Buch ist – wie könnte es anders sein – über einen Blog geschrieben worden…
PS: Scoble verriet zum guten Schluss auch noch seine Software zum Lesen von Blogs.
Add comment February 13, 2006